Dieter Damschen - Naturfotografie
Kraniche im Spanischen Winterquartier

Kraniche in Spanien, 1.-18.2.2010

Bei den Temperaturen dieses Winters ist es nachzuvollziehen, dass viele Vögel ein warmes Winterquartier im Süden aufsuchen. Wie auch in den vergangenen Jahren, folge ich den Kranichen nach Spanien und versuche an traditionellen Rastplätzen (Extremadura und Laguna de Gallocanta) neue Fotos zu machen. Veranstalter, Organisator, Dolmetscher, Logistiker und noch vieles mehr ist wie immer Joachim Griesinger, Reisen in die Natur.

 

 

1. Tag, Extremadura

Die Kraniche finden in den ausgedehnten, lichten Steineichenwäldern, der so genannte Dehesa, reichlich Nahrung. Auf der Suche nach Eicheln, streifen sie in Familienverbänden und kleinen Gruppen durch die weitläufige Landschaft.
Direkt am Tag nach der Anreise geht es früh morgens in das vorbereitete Versteck. Ob die Kraniche sich in der Nähe aufhalten oder man sie nur aus der Ferne sieht, ist oft Glücksspiel und jeder Tag ist anders. Heute sind die Bedingungen optimal. Die Kraniche kommen im schönsten Morgenlicht in die Nähe meines Verstecks.


























 

 

2. Tag, Extremadura

Wieder geht es ca. eine Stunde vor Sonnenaufgang in den Ansitz, der heute an einer anderen Stelle steht. Auch heute kommen die Kraniche auf direktem Wege vom Schlafplatz in den Bereich, in dem das Zelt steht und verteilen sich im Laufe des Morgens in der Umgebung.














 

 

3. Tag, Extremadura

Nach zwei sehr erfolgreichen Tagen verzichten wir heute, angesichts der Wettervorhersage, auf einen Ansitz und erkunde stattdessen die weitere Umgebung. Erst gegen Abend hört es auf zu regnen und eine Panoramaaufnahme der Dehesa, von einem Aussichtsturm aus, ist das einzige Foto dieses Tages.



 

 

4. Tag, Extremadura

Wenn man schon einmal in der Extremadura ist, gehört ein Besuch des Nationalparks Monfragüe zum Pflichtprogramm. Eine Stippvisite des Geierfelsens dauert länger als geplant, da die Bedingungen so gut sind, wie noch nie. Den ganzen Tag über fliegen Gänsegeier in kürzester Distanz am Aussichtspunkt vorbei. Da sie bald mit dem Brutgeschäft beginnen, sieht man viele Geier mit Nistmaterial auf dem Weg zum Nest. Auch Mönchsgeier und ein Steinadler geben sich die Ehre.























 

 

5. Tag, Extremadura

Nach zwei Tagen Abstinenz beginnt der fünfte Tag wieder im Versteck, an der Stelle, an der ich auch vor drei Tagen bereits war. Die Kraniche erscheinen nur in geringer Zahl und gegen Mittag ist überhaupt keiner mehr in Sichtweite. Somit wechsle ich den Ort und kann abends am Puerto Mejoral den Flug der Kraniche zu ihrem Schlafplatz beobachten und bei schönem Abendhimmel noch einige Aufnahmen machen.
















 

 

6. Tag, Extremadura

Von der Extremadura geht es in das ca. 600 km entfernte Gallocanta und somit steht heute Autobahn auf der Tagesordnung. Den krönenden Abschluss der vergangenen Tage bietet jedoch vor der Abfahrt noch der Ausflug der Kraniche, wieder am Puerto Mejoral. Durch farbigen Himmel und aufziehenden Nebel ist die Morgenstimmung besonders intensiv und bietet eine fast unwirkliche Kulisse.













 

 

7. Tag, Laguna de Gallocanta

Der erste Tag an der Laguna de Gallocanta beginnt um 7.00 Uhr mit einem Ansitz. Die Beobachtungshütte darf erst wieder im Dunkeln, also um 19:00 Uhr verlassen werden. Somit heißt es 12 Stunden still sitzen. Das Wetter ist trübe und über einen langen Zeitraum regnet es. Auch Kraniche finden sich erst spät, in geringer Zahl und auch noch in recht großer Entfernung ein. Aus dieser Situation heraus experimentiere ich morgens mit besonders hohen ISO-Einstellungen, um die Stimmung einzufangen.














 

 

8. Tag, Laguna de Gallocanta

Zum Tagesbeginn wollen wir den Ausflug der Kraniche von ihren Schlafplätzen beobachten. Doch sind in diesem Winter weniger Kraniche an der Lagune, als in den vergangenen Jahren. An der Stelle, an der wir uns postiert haben, fliegen so gut wie keine Kraniche vorbei. Somit bleibt es bei einer Landschaftsaufnahme und den Rest des Tages werden die Bilder der letzten Zeit sortiert.




 

 

9. Tag, Laguna de Gallocanta

Heute habe ich wieder einen Platz in der ersten Reihe, sprich ein ganzer Tag selbst gewählter "Einzelhaft" in der Beobachtungshütte steht auf dem Plan. Gegenüber dem ersten Ansitztag hat sich leider nicht viel verändert. Es kommen wenige Kraniche und die Distanz ist recht groß. Wenigstens scheint meist die Sonne. Ab und zu rufen sie oder streiten sich und zwischen den Kranichen taucht auch mal ein Brachvogel auf. Gegen Abend gibt es noch unerwarteten Besuch von einem Wildschwein.
























 

 

10. bis 12. Tag, Laguna de Gallocanta

Drei Tage am Stück stehen zur freien Verfügung, da die Ansitzhütten von anderen Fotografen unserer Gruppe genutzt werden. Somit genieße ich die Bewegungsfreiheit, bin in der Umgebung unterwegs und sammle Eindrücke. Das tägliche Rahmenprogramm für diese Exkursionen bildet selbstverständlich der morgendliche Ausflug und abendliche Einflug der Kraniche.

 












 

 

13. Tag, Laguna de Gallocanta

Durch die eisigen Temperaturen der vergangenen Tage sind die Wasserstellen zugefroren und viele Kraniche abgewandert. Das sind die Grundlagen für den dritten Tag in der Hütte. Trübes Wetter, wenige Kraniche - das übliche Spiel, verstärkt noch durch Restschnee von gestern, der sich störend auf die Bildgestaltung auswirkt.
Doch gegen Mittag wird alles anders. Der Himmel reißt auf und wie aus dem Nichts fliegt eine große Gruppe ein. Hunderte von Kranichen bevölkern den Platz direkt um den Ansitz. Bis nach Sonnenuntergang bleiben sie und kommen bis auf weniger als einen Meter an das Versteck heran. Ein wunderbares Erlebnis aber fotografisch schwierig umzusetzen. Hartes Seitenlicht und ein heilloses Durcheinander unzähliger Beine, Hälse und Flügel sind das Bild vor Ort. Trotzdem ein Tag mit unerwartetem Ausgang und genügend guten Ergebnissen, mit denen ich mehr als zufrieden sein kann.































 

 

14. Tag, Laguna de Gallocanta

Ansitztag Nr. 4 beginnt wieder mit trübem Wetter. Heute fliegen viele Kraniche in Richtung der Hütten zu ihren Nahrungsflächen und legen noch in der Dämmerung einen Zwischenstopp ein. Nach kurzer Zeit ist die große Masse aber weiter gezogen und es bleiben die üblichen Tiere vor Ort.
Das Arbeiten ist durchaus leichter und wenn es auch nur wenige Vögel sind, so bieten diese doch eine Vielzahl an Motiven. Oft kommt es zu Streitigkeiten, die sich viel einfacher fotografieren lassen, als in dem Chaos von Gestern. Gegen Nachmittag fällt aus den Wolken Schnee und völlig unerwartet legt noch eine Gruppe von mehr als 50 Weißstörchen eine Rast ein.

























 

 

15. und 16. Tag, Laguna de Gallocanta

Der 15. Tag der Reise beginnt mit heftigem Schneefall. Da ich leider keinen Platz in der Hütte habe, verbringe ich den Tag fotofrei, sortiere stattdessen die Bilder der vergangenen Tage und freue mich auf den morgigen, letzten Tag der Reise, an dem ich noch einmal den besonderen Flair einer Ansitzhütte genießen darf.
Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss und so gibt es dann auch viel zu tun. Am Morgen des 17. Februars heißt es erst einmal "business as usual" und das dazu noch auf recht bescheidenem Niveau. Nur wenige Kraniche halten sich vor den Beobachtungshütten auf und sind bei schlechtem Fotolicht dazu auch noch sehr träge. Gegen Mittag wird aber alles anders. Die Wolken reißen auf, die Sonne scheint und in einem unablässigen Strom fallen unzählige Kraniche ein. Etwas entfernt, neben meinem Platz, landen die meisten von ihnen und umzingeln die Hütte zu meiner Linken. Vor meinem Ansitz ist eine Kranichfamilie, die den Ort für sich beansprucht und alle anderen, im Umkreis von mehr als 50 Metern, vehement verjagt. Bei hunderten von Vögeln, die im Minutentakt eingeflogen kommen, eine ziemlich aufwendige Aufgabe. Somit sind direkt vor dem Versteck zwar nicht viele Kraniche aber durch die Angriffe der besagten Familie auf Neuankömmlinge, habe ich stundenlang Möglichkeiten für Actionaufnahmen. Zudem bieten die ankommenden Kraniche selbst gute Motive, wenn sie zur Landung ansetzen.
Am späten Nachmittag ziehen dunkle Wolken auf und zweimal regnet es kurz. Das Licht, das die Szenerie erhellt ist schier unglaublich und bildet für mich den krönenden Abschluss der Reise. Hier kommen dann kurz vor Ende des letzten Arbeitstages auch endlich die Grauverlaufsfilter zum Einsatz, die ich schon die ganze Zeit mit herumtrage. An deren Sinn und Zweck habe ich im Zusammenhang mit dem Thema der Reise schon gezweifelt, doch ohne sie wäre die dramatisch wirkende Beleuchtung fotografisch nicht umzusetzen gewesen.


































 

Somit enden 16 Erlebnis-, und Ergebnisreiche Tage, bei den Kranichen im Spanischen Winterquartier.
Nach mehreren Reisen in den letzten Jahren habe ich festgestellt, dass es nicht einfach ist, zu guten - geschweige denn besonderen - Fotos zu kommen.

Getreu Joachims Motto, "Jeder Tag ist anders!", sind in der Vergangenheit manche Ansitztage ergebnislos geblieben und manche von Erfolg gekrönt gewesen. Einen so hohen Lohn, in Form einer Vielzahl zufriedenstellender Situationen, hatte ich dabei noch nie. Neben guter Organisation, Erfahrung und Ausdauer, zählen natürlich Wetter, Kooperationswille der Kraniche und Glück dazu. In diesem Jahr haben die meisten Faktoren gestimmt und damit auf ganzer Linie zur Zufriedenheit geführt.

Einen herzlichen Dank an alle, die dazu beigetragen haben!

Grus grus



Blick auf den Arbeitsplatz in Gallocanta. 12 Stunden auf ca. 1,7 qm


Joachim Griesinger und Manuel Calderón Carrasco postieren ein Ansitzzelt in der Extremadura


Joachim beim letzten Feinschliff des Verstecks in der Dehesa